Sowohl √ľber die systematische Zusammengeh√∂rigkeit der Katzen als auch √ľber die Abstammung unserer Hauskatzen gibt es selbst unter den Spezia¬≠listen noch immer keine einheitliche klare Auffassung. Sicher ist jedoch, dass die Hauskatze der Art Felis silvestris entstammt. Unklar ist nur, von welcher der zahlreichen Unterarten die Domestikation ihren Ausgang genommen hat. √úberall auf der Erde, wo wilde Kleinkatzen vorkommen, gibt es wahrscheinlich auch Kreuzungen zwischen ihnen und den dort lebenden gew√∂hnlichen Hauskatzen. Das trifft auch auf unsere einheimische Europ√§ische Wildkatze zu. Immer wieder kommt es vor, dass umherstreunende rollige Hauskatzen von Katern der Wildkatze erfolgreich gedeckt werden. Deshalb aber alle diese Unterarten in irgendeiner Form als Ahnen der Hauskatze zu betrachten w√§re verfehlt. F√ľr die Domestikation der Katze spielen verschiedene Faktoren eine ausschlaggebende Rolle. Anzunehmen ist, dass es vor Jahrtausenden nicht nur ein Ausgangszen¬≠trum gegeben hat, sondern mehrere Unterarten der Felis-silvestris-Art als Ahnformen in Betracht kommen. Ein Wissenschaftler f√ľhrt als Beweis daf√ľr, dass auch unsere europ√§ischen Hauskatzen von der Falbkatze abstammen, an, dass die Prim√§rfellmusterung europ√§ischer Hauskatzen-Embryonen eine Querstreifung und kein Fleckenmuster aufweist. Auch die besondere W√§rme- und Trockenheitsliebe der Hauskatze k√∂nnten darauf hinweisen.

Erste Schritte einer Domestikation der Katze sind vor 4 bis 4 ¬Ĺ Jahrtausenden am Oberen Nil in √Ągypten zu suchen. Als alleinige Stammform nahm man bisher ausschlie√ülich die dort lebende Falbkatze, eine hellfarbige Unterart, Felis silvestris lybica, aus den nordafrikanischen W√ľstensteppen an. Diese Falbkatze war und ist ein Kulturfolger, das hei√üt, sie zeigte schon von jeher ein st√§rkeres Anlehnungsbed√ľrfnis an die Menschen als alle anderen Wildkatzen-Unterarten einschlie√ülich unserer Europ√§ischen Wildkatze. Sicher ist, dass die Falbkatze eine Stammform unserer Hauskatzen ist, aller Wahrscheinlichkeit nach jedoch nicht die einzige. So ist als eine weitere eventuell als Stammform in Betracht zu ziehende Wildkatze, die cremegraue Buschfalbkatze, Felis silvestris ocreata, aus dem √§thiopischen Hochland zu nennen.

Ein anderer Wissenschaftler hat darauf hingewiesen, dass die Katze in Vorderasien schon wesentlich fr√ľher als in √Ągypten gehalten worden ist. Die wohl √§ltesten bisher bekannten Katzendarstellungen stammen aus der Zeit 6000 v. u. Z. aus dem Gebiet Anatoliens. Bei Hacilar fand man Statuetten, die Frauen darstellten, die mit Katzen spielten. Damit ist bewiesen, dass die Katze schon vor nunmehr 8000 Jahren den Menschen begleitete.

Im sp√§ten 6. oder fr√ľhen 5. Jahrtausend v. u. Z. wurden Katzen in Jericho in Jordanien gehalten. Im S√ľdirak scheint die Katze im fr√ľhen 3. Jahrtausend v. u. Z. bereits allgemeiner verbreitet gewesen zu sein. In diesen Gegenden lebten wieder andere wilde Falbkatzen-Unterarten, Felis silvestris tristrami und Felis silvestris iraki, die dort ebenfalls als Ahnformen in Frage kommen. Wahrscheinlich jedoch m√ľssen wir alle diese dort gehaltenen Katzen noch als gez√§hmte Wildtiere betrachten. Es ist n√§mlich ein deutlicher Unterschied zu machen zwischen einer Z√§hmung als zuf√§lliger, bei allen Wildtieren m√∂glicher Gew√∂hnung an den Menschen und einer √ľber unz√§hlige Generationen laufenden dauerhaften Domestikation. Auch aus dem jungsteinzeitlichen √Ągypten, aus der Zeit der Badari¬≠Kultur um etwa 4000 v. u. Z., sind durch Funde und Bilder Falbkatzenhaltungen bekannt geworden. Erst im Neuen Reich √Ągyptens werden Funde und Abbildungen immer h√§ufiger, die auf eine Hausbarmachung, eine echte Domestikation hinweisen. Vor allem √§gyptische Grabbilder zeigen Katzen als Jagdhelfer, als Spielgef√§hrten des Menschen und als G√∂ttersymbol. Eine wichtige Voraussetzung f√ľr diese Domestikation der sehr ortstreuen und territorial gebunden lebenden Katze war also die Sesshaftigkeit eines Volkes, die in der Hochkultur √Ągyptens auf jeden Fall vorhanden war. Sicher ist die Katze auch in vielen anderen Teilen Afrikas von nomadisierenden Hirtenv√∂lkern gez√§hmt worden, doch zu einer echten Domestikation kam es hier nicht.

Somit ist aber auch erwiesen, dass zwischen den ersten Nachweisen einer Haltung von Katzen und ihrer wirklichen Domestikation Jahrtausende liegen, eine Zeitspanne, die bei keinem anderen Haustier so lange w√§hrte. Das ist auf die bekannte Tatsache zur√ľckzuf√ľhren, dass die Katze eben das einzige Haustier ist, das nicht gesellig, sondern ungesellig einzelg√§ngerisch lebt. Auf Kreta l√§sst sich dann die Hauskatze vor etwa 4000 Jahren (ungef√§hr 2000 v. u. Z.), in China vor rund 2500 Jahren, √ľber Indien eingef√ľhrt, nachweisen. Um 800 v. u. Z. erscheint die Hauskatze in der altchinesischen Literatur. Neben dem Tiger, der auf den Feldern die Wildschweine vernichtet, wird sie als Vertilgerin der sch√§dlichen M√§use als heilig verehrt. Au√üerdem ist die Katze zu dieser Zeit ein Symbol f√ľr die Langlebigkeit. Unter verschiedenen Dynastien bis etwa um 200 v. u. Z. fanden zur Ehrung der Katze und des Tigers seltsame Riten statt.

In Griechenland und Rom erw√§hnt man die Katze als hochgesch√§tzte M√§usevertilgerin sogar erst vor 2000 Jahren, das hei√üt also um die Zeitenwende. In England wurde sie vor rund 1000 Jahren eingef√ľhrt und seinerzeit dort so gesch√§tzt, dass man ihre T√∂tung mit schweren Strafen ahndete. Im mitteleurop√§ischen Gebiet kann die Hauskatze erst seit dem 14. Jahrhundert nachgewiesen werden.

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